Quereinstieg Bewerbung: So überzeugst du auch als Quereinsteigerin
Eine Quereinstieg Bewerbung ist kein Hindernislauf, auch wenn sie sich manchmal so anfühlt. Du hast herausgefunden, was du wirklich willst, vielleicht ein völlig anderes Berufsfeld, eine andere Branche oder einfach eine andere Art zu arbeiten. Und jetzt kommt die Frage, die viele ins Stocken bringt: Wie bewerbe ich mich, wenn mein bisheriger Lebenslauf so gar nicht zum angestrebten Job passt?
Die gute Nachricht: Eine Quereinstieg Bewerbung funktioniert. Aber sie funktioniert anders als eine klassische Bewerbung. Ich habe dazu mit Silke Grotegut gesprochen, Karriere- und Bewerbungscoach, die selbst einen Quereinstieg gemacht hat und jahrelang bei der Deutschen Telekom im Recruiting gearbeitet hat. Sie kennt das Thema von beiden Seiten.
Hier sind ihre wichtigsten Erkenntnisse für deine Quereinstieg Bewerbung.
Quereinstieg Bewerbung: Der Lebenslauf ist das entscheidende Dokument
Das überrascht viele: Die meisten Menschen stecken die meiste Energie ins Anschreiben. Dabei schaut ein Personaler zuerst und am längsten auf den Lebenslauf. Anschreiben, Deckblatt, alles andere wird überblättert. Der Lebenslauf ist der erste und oft entscheidende Eindruck.
Und: Ein Personaler nimmt sich im Schnitt zwei bis drei Minuten für eine Bewerbung. Manchmal sogar nur zwanzig Sekunden. Das bedeutet, der Lebenslauf muss auf den ersten Blick überzeugen.
Was das für eine Quereinstieg Bewerbung heißt: Jede Zeile im Lebenslauf muss sich die Frage gefallen lassen, zahlt das auf die angestrebte Position ein? Wenn nicht, raus damit. Tätigkeiten, die nichts mit dem neuen Job zu tun haben, entweder kurz halten oder ganz streichen. Den Fokus klar auf das setzen, was übertragbar ist.
Keine Standardbewerbung beim Branchenwechsel
Ein Lebenslauf, der zu Unternehmen A genauso gut passt wie zu Unternehmen B und C, überzeugt niemanden. Gerade beim beruflichen Neustart erwarten Unternehmen, dass die Bewerbung wirklich auf sie zugeschnitten ist.
Der Schlüssel dazu ist eine gründliche Stellenanalyse. Nicht nur Aufgaben und Anforderungsprofil lesen, sondern auch den Einleitungstext der Ausschreibung. Dort stehen oft Hinweise auf die Unternehmenskultur, internationale Ausrichtung, Teamgröße und Werte. Alles davon kann ein Anknüpfungspunkt in der Quereinstieg Bewerbung sein.
Für jede Bewerbung den Lebenslauf neu durchgehen und anpassen kostet Zeit. Aber wer sich auf eine Stelle bewirbt, die wirklich zu ihr passt, bringt diese Energie fast von alleine auf.
Das Anschreiben beim Quereinstieg: keine Wiederholung des Lebenslaufs
Das Anschreiben bereitet den meisten die größten Kopfschmerzen. Dabei ist es im Kern ein Brief an einen potenziellen Arbeitgeber, dem du etwas zu bieten hast. Mehr ist es nicht.
Zwei Fehler passieren dabei besonders häufig. Der erste ist, den Lebenslauf in Fließtext zu wiederholen. Das liefert dem Personaler keine neue Information. Das Anschreiben soll ergänzen, nicht zusammenfassen.
Der zweite ist eine geschwurbelte, überkomplizierte Sprache. Wenn ein Satz zweimal gelesen werden muss, ist die Bewerbung wahrscheinlich schon aussortiert. Einfache Sprache, klare Beispiele, aktive Formulierungen. Lieber „Ich kann schwierige Sachverhalte einfach erklären“ als „Die Überführung von Komplexität in verständliche Sprache ist mir zur Gewohnheit geworden.“
Aufbau: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Kurz, klar, authentisch.
Den Quereinstieg offen ansprechen: das Fragezeichen ausschalten
Das ist der wichtigste Punkt für jede Quereinstieg Bewerbung: das Fragezeichen im Kopf des Personalers ausschalten.
Wenn jemand als Ingenieurin Erzieherin werden will, ist dieses Fragezeichen sofort da. Und wenn die Bewerbung es nicht beantwortet, beantwortet es das Kopfkino des Personalers, meistens nicht zugunsten der Bewerberin. Die Chance, dass die Bewerbung aussortiert wird, ist dann sehr hoch.
Also den Stier bei den Hörnern packen: Wechselmotivation klar benennen. Warum dieser Schritt? Was hat sich verändert? Was habe ich erkannt? Und zeigen, dass die Konsequenzen bewusst sind, weniger Gehalt vielleicht, keine Führungsrolle mehr, eine neue Lernkurve.
Das gilt für Anschreiben und Vorstellungsgespräch. Im Gespräch empfiehlt Silke, das Thema schon in der Selbstpräsentation anzusprechen, zum Beispiel so: „Sie fragen sich sicher, warum ich als Ingenieurin Erzieherin werden möchte. Lassen Sie mich das erklären.“ Dann kann man die eigene Geschichte erzählen, gezielt auf die relevanten Stationen eingehen und den bisherigen Lebenslauf kurz halten.
Personaler lieben gute Geschichten. Ein roter Faden, der irgendwann unterbrochen wurde und jetzt wieder aufgenommen wird, ist für viele die überzeugendste Story, die eine Bewerberin erzählen kann.
Übertragbare Fähigkeiten: der Kern jeder Quereinstieg Bewerbung
Auf den ersten Blick scheint ein Quereinstieg manchmal unmöglich. Ein Arzt, der Schreiner werden will, hat doch nichts Übertragbares, oder?
Doch. Genauigkeit zum Beispiel. Strukturiertes Arbeiten. Das Erfassen komplexer Zusammenhänge. Den Überblick behalten unter Druck. Digitale Systeme bedienen. All das braucht ein moderner Handwerksbetrieb heute genauso.
Es lohnt sich, wirklich tief zu graben: Welche Tätigkeiten habe ich in meinem bisherigen Job gemacht? Welche Kompetenzen habe ich dafür gebraucht? Und welche davon werden im neuen Job ebenfalls gebraucht? Genau diese Schnittmenge gehört in den Lebenslauf und ins Anschreiben.
Den neuen Beruf vorher ausprobieren
Silke empfiehlt, den Schritt in einen neuen Beruf wenn möglich vorher auszuprobieren, durch ein Praktikum, ein Sabbatical, ein Ehrenamt oder einen Kurs. Das hat zwei Vorteile.
Erstens merkt man selbst, ob es wirklich passt. Viele Berufe sehen in der Vorstellung anders aus als in der Realität. Silke hat das selbst erlebt: Ihr Kindheitstraum war es, Bäuerin zu werden. Nach einem einzigen Tag auf einem Biohof war ihr klar, dass der Traum von damals und die Realität von heute zwei sehr verschiedene Dinge sind.
Zweitens: Wer den Beruf bereits ausprobiert hat, kann das im Gespräch erwähnen. „Ich habe ein Praktikum gemacht und gemerkt, dass das genau meins ist“ wirkt authentisch und überzeugend. Es zeigt dem Unternehmen, dass die Entscheidung nicht aus einer romantischen Vorstellung heraus getroffen wurde, sondern aus echter Erfahrung.
Viele Kanäle nutzen bei der Quereinstieg Bewerbung
Wer einen großen beruflichen Sprung macht, sollte sich nicht nur auf Stellenanzeigen verlassen. Initiativbewerbungen, persönliche Kontakte, direkte Anrufe bei Unternehmen, die interessant wären, all das kann beim Jobwechsel wichtiger sein als der klassische Weg.
Gerade beim direkten Kontakt lässt sich das eigene Fragezeichen viel schneller ausschalten als mit einer E-Mail. Wer anruft oder persönlich vorbeikommt, kann sofort Kontext liefern und echtes Interesse zeigen. Und gerade im Handwerk oder in kleinen Unternehmen ist dieser persönliche Weg oft der wirksamste.
Wenn du noch nicht weißt, welche Richtung die richtige ist, findest du hier einen guten Ausgangspunkt: Berufliche Neuorientierung: So findest du den Job, der wirklich zu dir passt
Häufige Fragen zur Quereinstieg Bewerbung
Wie schreibe ich eine Bewerbung als Quereinsteigerin? Der wichtigste Unterschied zur klassischen Bewerbung: Du musst deine Wechselmotivation aktiv erklären und deine übertragbaren Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellen. Nicht darauf warten, dass der Personaler die Verbindung selbst zieht, sondern sie klar herstellen. Im Lebenslauf den Fokus auf relevante Kompetenzen setzen, im Anschreiben den Quereinstieg offen ansprechen.
Was schreibe ich ins Anschreiben beim Quereinstieg? Erkläre klar, warum du diesen Schritt machst, was dich dazu bewogen hat und warum genau jetzt. Zeige, dass du dir der Konsequenzen bewusst bist. Und hebe hervor, welche deiner bisherigen Fähigkeiten du in den neuen Job mitbringst. Kein Standardtext, keine Wiederholung des Lebenslaufs.
Wie erkläre ich im Vorstellungsgespräch meinen Quereinstieg? Am besten direkt am Anfang, in der Selbstpräsentation. Das Fragezeichen im Kopf des Personalers ist sowieso da, also lieber selbst die Antwort geben als abwarten. Eine klare, authentische Geschichte, warum dieser Weg, ist überzeugender als jede perfekte Formulierung.
Habe ich als Quereinsteigerin überhaupt eine Chance? Ja, gerade jetzt. Der Fachkräftemangel macht Quereinstiege leichter als je zuvor. Unternehmen suchen zunehmend Menschen, die Erfahrung aus anderen Bereichen mitbringen. Was zählt, ist Klarheit darüber, was du kannst, was du willst und warum du wirklich überzeugt bist.
Was, wenn ich noch gar nicht weiß, wohin ich will? Dann ist eine Bewerbung noch verfrüht. Zuerst braucht es Klarheit über die Richtung, erst dann macht es Sinn, Energie in Bewerbungsunterlagen zu stecken. Denn eine Bewerbung ohne echte Überzeugung dahinter spürt man beim Schreiben und beim Lesen.
Bevor du dich bewirbst: Weißt du schon, wohin du wirklich willst?
Die überzeugendste Quereinstieg Bewerbung bringt nichts, wenn die Richtung noch nicht stimmt. Wenn du noch mitten in der Orientierungsphase bist, ist der Richtungsweiser ein guter erster Schritt. Er hilft dir, mehr Klarheit darüber zu bekommen, was wirklich zu dir passt, bevor du anfängst, Bewerbungen zu schreiben. Kostenlos, ohne Druck, in deinem eigenen Tempo.
Dieser Artikel basiert auf einem Gespräch mit Silke Grotegut, Karriere- und Bewerbungscoach. Weitere Infos zu ihrer Arbeit findest du auf silkegrotegut.de.


Bettina Strickhausen
Bettina Strickhausen