Ich will beruflich etwas verändern, weiß aber nicht, was. Wie finde ich es heraus?

Frau steht steht am Meer auf einem Felsen mit Blick in die Ferne, berufliche Neuorientierung

Von Bettina Strickhausen, Diplom-Ingenieurin, Coach und Beraterin in Frankfurt

Du spürst, dass sich beruflich etwas ändern muss. Ideen hast du, aber du traust dich nicht, eine davon anzugehen. Stattdessen grübelst du, und das Gedankenkarussell dreht sich weiter. Du fragst dich, ob deine Intuition recht hat und ob du dich auf die Richtung verlassen kannst.

Deine berufliche Neuorientierung gelingt in drei Bewegungen: Standort bestimmen, Perspektive entwickeln, Umsetzung planen. Die ersten beiden Schritte öffnen das Feld, der dritte schließt es wieder, bis daraus konkrete Schritte werden. Auf diesem Weg prüfst du deine Richtung, statt sie zu erraten.

Wann eine Standortbestimmung sinnvoll ist

Eine Standortbestimmung hilft dir, wenn du ausgebrannt oder erschöpft bist und dauerhaft unzufrieden. Sie hilft auch bei Konflikten mit Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzten. Selbstständige kennen das ebenfalls: Du tust viel von dem, was mehr Energie kostet, als es dir zurückgibt. In der Festanstellung gilt dasselbe. Sobald dich der größere Teil deiner Arbeit Kraft kostet, lohnt der genaue Blick darauf, was los ist.

Schritt 1: Standort bestimmen

Bevor du eine Richtung wählst, sortierst du deine Baustellen. Unzufriedenheit im Beruf kann an ganz verschiedenen Stellen sitzen, und die Frage lautet: Was ist hier gerade los? Dafür schaust du in die einzelnen Bereiche deines Berufslebens:

  • Inhalte: Erfüllen dich die Themen, mit denen du den ganzen Tag zu tun hast? Gibt dir deine Tätigkeit mehr Kraft, als sie nimmt? Sind deine Interessen abgedeckt, also das, womit du dich am liebsten beschäftigen würdest?
  • Menschen: Tut dir die Zusammenarbeit mit Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten gut? Fühlst du dich in deinem Team eingebunden?
  • Rahmenbedingungen: Passen Gehalt, Arbeitszeiten und Arbeitsumgebung zu dir, zum Beispiel Großraumbüro oder Homeoffice? Hast du genug Freiheiten?
  • Entwicklung: Hast du Aufstiegsmöglichkeiten und Raum, dich weiterzubilden?

Auch dein Privatleben gehört in den Blick, besonders wenn dort ebenfalls etwas klemmt. Das kann die Partnerschaft sein, das Familienleben, die Familienplanung oder der Wohnort. Ebenso zählen die Beziehung zu deinen Eltern, dein Freundeskreis und dein Selbstwert. Frag dich außerdem, ob in deinem Leben genug Raum für Abenteuer, Reisen oder Zeit mit Tieren bleibt.

Gibt es an mehreren Ecken Baustellen, ist die Standortbestimmung besonders wichtig. Wer nur im Beruf Schwierigkeiten hat, profitiert aber genauso davon. Du bekommst einen Überblick und leitest daraus ab, was helfen könnte.

Je nach Befund zeigen sich verschiedene Richtungen. Manchmal fehlt Karriere: bessere Aufstiegsmöglichkeiten, mehr Einfluss oder mehr Raum für Kreativität. Manchmal geht es um die Inhalte: Du willst mehr von dem tun, was deinen Stärken und Talenten entspricht und was dir Freude macht. Manchmal bleibt die Tätigkeit gleich, und die Bedingungen ändern sich: Teilzeit, andere Arbeitszeiten, ein anderes Team oder ein anderes Unternehmen mit besseren Voraussetzungen.

Schritt 2: Perspektive entwickeln

Zeigt die Standortbestimmung, dass die Inhalte nicht mehr passen, folgt die Perspektiventwicklung. Das kommt häufig vor: Früher stimmte der Beruf, heute nicht mehr. Menschen verändern sich. Du startest in jungen Jahren mit einer Richtung, im mittleren Alter kommen oft neue Interessen dazu. Du hast Stärken und Talente entdeckt, die du stärker einsetzen willst. Möglich ist auch, dass du dich selbstständig machen, ein Hobby ausbauen oder eine Fortbildung beginnen möchtest.

Dafür stellst du dir diese Fragen:

  • Was macht mich glücklich, und was macht mich aus?
  • Was sind meine Stärken und Talente?
  • Was lässt mich morgens motiviert aus dem Bett springen?
  • Was wünsche ich mir vom Leben und vom Beruf?
  • Womit möchte ich mich den ganzen Tag beschäftigen?
  • Was hat mir schon in der Kindheit Freude gemacht und ist mir im Lauf der Zeit verloren gegangen?

Aus diesen Bausteinen entwickelst du deine neue Richtung.

Die 30-Millionen-Euro-Frage

Gestatte dir an dieser Stelle, groß zu denken. Dafür nutze ich gern diese Frage: Angenommen, ich schenke dir 30 Millionen Euro. Im Koffer liegt ein Zauber, der dich nie scheitern lässt, egal was du tust. Eine Bedingung gilt: Du bleibst berufstätig. Was machst du beruflich?

Das fällt oft schwer, weil sich der innere Kritiker sofort einmischt. Trenne ihn bewusst von dem kreativen Teil in dir, der deiner Intuition folgt. Erst wenn du groß gedacht hast, schließt du den Koffer wieder und fragst: Was davon kann ich auf die Straße bringen?

In meinem Freebie „Richtungsweiser für mehr Klarheit, Mut und Entspannung bei deiner beruflichen Neuorientierung“ findest du viele weitere Fragen, die dir helfen, dich auf das zu fokussieren, was für dich zählt.

Schritt 3: Umsetzung planen

Nach dem Öffnen schließt du das Feld wieder, damit aus der Idee etwas Realistisches wird. Dafür brauchst du einen Umsetzungsplan, vergleichbar mit einem Projektplan. Du gehst von der Annahme aus, dass deine Idee möglich ist, und fragst: Wie genau? Bei einer sehr großen Idee setzt du einen Teil jetzt um und einen anderen später. Wie isst du einen Elefanten? In kleinen Stücken. Genauso zerlegst du dein Vorhaben in konkrete, handhabbare Schritte.

Wie du dich auf deine Richtung verlassen kannst

Die Frage, ob es die richtige Richtung ist, begleitet jede Neuorientierung. Meiner Erfahrung nach bekommst du auf diesem Weg eine belastbare Antwort. Du öffnest dich für das, was du willst, und läufst nicht dem inneren Kritiker hinterher, der dir sofort wieder alles verbietet. Eine Garantie gibt es nicht. Du hast aber eine Grundlage, auf die du dich stützen kannst.

Der innere Kritiker wird lauter, sobald du losgehst

Hast du für dich etwas herausgefunden und verlässt die Komfortzone, wird dein innerer Kritiker immer lauter. Rechne damit und setze trotzdem einen Schritt vor den anderen. Das braucht eine Portion Disziplin und den Glauben an dich. Bleibt etwas im Weg, lohnt der Blick darauf, welche Gedanken dich bremsen. Das ist ein eigenes Thema: [Artikel zum inneren Kritiker folgt]

Wenn du diesen Prozess nicht allein gehen willst: In meinem Einzelcoaching zur beruflichen Neuorientierung begleite ich dich dabei. Vorher klären wir in einem kostenlosen Richtungsgespräch von etwa 20 Minuten, welcher nächste Schritt für dich passt.

Über die Autorin

Bettina Strickhausen ist Diplom-Ingenieurin, Coach und Beraterin in Frankfurt. Seit 2010 hat sie Hunderte Menschen bei beruflicher Neuorientierung begleitet. Parallel arbeitet sie im Change Management eines großen Medienunternehmens.